28.11. – „Rein da!“… Ab in den Corcovado-NP

Manchmal sind es die frühen Morgenstunden, die die magischsten Geschichten schreiben. Um 6:00 Uhr morgens trafen wir uns mit unserem Guide Roger – bereit für ein bisschen „Tier-Watching“, aber völlig ahnungslos, was uns in den nächsten Stunden tatsächlich alles vor die Linse springen würde.
Artenvielfalt im Zeitraffer: 45 Minuten pures Leben
Wir starteten in einem Gebiet mit Sekundärregenwald, und was soll ich sagen? Mutter Natur hatte an diesem Morgen offensichtlich gute Laune. Innerhalb von nur 45 Minuten fühlte es sich an, als hätten wir eine Checkliste für ganz Costa Rica abgehakt:
- Ein perfekt getarnter Potoo (Tagschläfer), den man ohne Profi-Auge garantiert übersieht.
- Farbenfrohe Tukane, die hoch oben in den Wipfeln thronten.
- Geier, die ihre Kreise zogen.
- Und als Highlight: Sowohl Zwei- als auch Dreifingerfaultiere.
Der absolute Gänsehaut-Moment kam jedoch, als wir bereits auf dem Rückweg zu den Autos waren. Direkt an der Straße entdeckten wir erneut ein Dreifingerfaultier – und diesmal war es nicht allein. Ein winziges Baby klammerte sich an den Bauch der Mutter. Ein Anblick, der uns kurz den Atem anhalten ließ.
Die Apotheke des Waldes: Botanik-Stunde beim Aufstieg
Nach einem kurzen Stopp in Rogers Heimatdorf Rio Brazos, wo uns noch mehr Tukane begrüßten, machten wir uns an den Aufstieg zum Primärregenwald. Während die Luftfeuchtigkeit stieg, öffnete Roger für uns das goldene Buch der Natur.
Es ist faszinierend zu sehen, dass der Dschungel für die Einheimischen weit mehr ist als nur „grün“. Wir lernten verschiedene Heilpflanzen kennen – von Blättern, die gegen Entzündungen helfen, bis hin zu Rinden, die traditionell bei Magenbeschwerden eingesetzt werden. Besonders beeindruckend waren die gigantischen Urwaldriesen mit ihren Brettwurzeln, die wie natürliche Kathedralen in den Himmel ragen.
Auf dem Weg zur Bergspitze veränderte sich die Vegetation spürbar. Wir kämpften uns durch dichtes Dickicht und Farne, die fast so groß wie wir selbst waren. Oben angekommen, wurden wir nicht nur mit einer kurzen Verschnaufpause belohnt, sondern fanden sogar frische Markierungsspuren eines Pumas. Ein klares Zeichen: Wir waren hier nur Gäste im Wohnzimmer der Raubkatzen.
Abkühlung im Rio Tigre: Ein verdienter „Reset“
Der Abstieg war steil und fordernd, doch das Ziel vor Augen motivierte uns: der Rio Tigre. Dieser Fluss schlängelt sich unberührt durch den Dschungel Richtung Meer. Bei der extremen Hitze und Feuchtigkeit war die Badepause im kühlen Wasser kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als sich den Schweiß der Wanderung in einem glasklaren Fluss abzuwaschen, während um einen herum der Regenwald singt.
Träume zwischen Tukantönen
Auf dem Rückweg im Auto erzählte uns Roger von seinen Visionen. Er hat Land gekauft und möchte dort eine eigene Vogelbeobachtungs-Station aufbauen. Ein Ort, an dem man morgens mit dem Gesang der Tukane aufwacht – nach diesem Tag können wir nur sagen: Das wäre ein absoluter Traumspot für jeden Naturfreund!
Fazit: Kaputt, aber glücklich
Was eigentlich als Halbtagestour geplant war, endete erst gegen 16:00 Uhr wieder an unserer Unterkunft. Zehn Stunden voller Eindrücke, Schweiß und Tierbegegnungen, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Den perfekten Abschluss fand der Tag im La Terrazza in Puerto Jimenez. Mit einer Pizza in der Hand und dem Blick auf das bunte Treiben der Hauptstraße ließen wir die Erlebnisse Revue passieren. Costa Rica, du beeindruckst uns immer wieder!












